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Advent und Neuigkeiten (1.12.2019)

Auch dieses Jahr sendet twentysound das schon fast traditionelle Adventsprogramm vom 1. bis zum 24. Dezember. Es beginnt jetzt um 18:00 und und ist im Vergleich zum letzten Jahr nur wenig verändert worden. Ab 20:00 werden wir in den dreieinhalb Adventswochen noch etwas besonderes senden, nämlich die drei Sonderprogramme "Modern Women", "Movie Sounds" und "Romantic Roots", die jeweils aus 8 vierstündigen Sendungen bestehen. Weitere Details hierzu in den Blogeinträgen weiter unten.

In den letzten Monaten sind aber auch viele neue Werke und einige neue Sendungen hinzugekommen, insbesondere aus der "Regions"-Reihe. Hier besonders hervorzuheben sind Sendungen mit Musik irischer Komponisten, bei denen sowohl klassische als auch traditionelle Musikstile vorkommen. Eine davon ist für den 4.12. angesetzt. Pete Fine, ein amerikanischer Komponist, steuert zwei Symphonien und sein Konzert für elektrische Gitarre bei, ein Instrument, das in der klassischen Musik leider bisher kaum vertreten ist, trotz seiner vielfältigen Klangmöglichkeiten. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, wird das Werk am 23.12. in der "Afternoon Concerts"-Sendung gesendet.

Eine Ausbeute einer Italien-Reise sind einige CDs des Labels "AGORA" mit Werken ansonsten kaum bekannter italienischer und griechischer Komponisten. Das leider nicht mehr existierende Label ist wohl die Schöpfung eines fanatischen griechisch-italienischen Musiksammlers, Nikos Velissiotis. Die CDs werden demnächst in "Regions"-Sendungen zu diesen Ländern einfliessen.

Aktuell in Vorbereitung ist eine kleine Sendereihe zu Musik, die mit Hilfe von Computern komponiert oder generiert wurde. Neben klassischer Musik mit elektronischer Tongenerierung soll dabei vor allem durch Algorithmen und durch künstliche Intelligenz komponierte Musik im Vordergrund stehen. Die Anregung hierzu kam durch meine Mitarbeit bei drei Folgen eines Podcasts der Firma Tech Data zum Thema Künstliche Intelligenz. Ich habe schon eine Anzahl passender Werke gefunden, suche aber noch nach weiteren Werken, auch von unbekannten Komponisten, und freue mich über jeden Hinweis!

EXTINCTION REBELLION & CLIMATEKEYS 'END CLIMATE CHAOS' TOUR (21.9.2019)

Lola Perrin, Pianistin, Komponistin und Begründerin der "ClimateKeys"-Konzerte, kommt nach Berlin! Das Konzert kombiniert und kontrastiert ihre eigenen Klavierwerke, die in einem Bereich zwischen Minimal Music und Jazz liegen, mit klassischer Kammermusik, gespielt vom "Klassik fürs Klima"-Streichtrio. Als "ClimateKeys"-Gesprächskonzert wird der musikalische Teil verbunden mit einem Kurzvortrag und einer Diskussion zur Klimakrise und den Möglichkeiten, dagegen anzukämpfen. Twentysound hat an der Organisation des Konzertes mitgewirkt und freut sich über Ihre Teilnahme!

Eintritt frei - bitte nach Möglichkeit per Facebook oder email (climate@twentysound.net) anmelden! Facebook-Link zum Konzert

Samstag, 21.9. 16:00-18:00, Carl-Flesch-Saal, Universität der Künste, Bundesallee 1-12, Berlin (U Spichernstr.)

Dreissigster Jahrestag des Tiananmen Massakers (4.6.2019)

Am 4. Juni 1989 griff die chinesische "Volksbefreiungsarmee" Tausende von Studenten an, die auf dem Tiananmen Platz in Beijing für politische Reformen demonstrierten. Hunderte, wenn nicht sogar Tausende der friedlichen Demonstranten wurden getötet. Jede Erwähnung dieses Ereignisses wird auch heute noch in China unterdrückt.

Für mich persönlich ist dieses Ereignis unlöschbar mit den 24 Präludien und Fugen op.87 von Dimitri Schostakowitsch verknüpft, die in jener Nacht im Radio gesendet wurden (soweit ich mich erinnere im Deutschlandfunk). Ich nahm damals diese Übertragung auf. Sie endete mit einer Nachrichtensendung (oder wurde von ihr unterbrochen), in der das Massaker gemeldet wurde. In der Erinnerung an jene Nacht habe ich beschlossen, jede Sendung am 4. Juni mit einem Paar der Präludien und Fugen zu beginnen, in der Version, die von Tatjana Nikolajeva eingespielt wurde. Nummer 24, das letzte und sehr emotionale Stück des Zyklus, wird die "Evening Sounds"-Sendung am Ende des Tages einleiten.

Seit diesem schicksalhaften Tag und dem sehr ereignisreichen Jahr 1989 sind 30 Jahre vergangen. Ich hätte damals nicht erwartet, dass China im Jahre 2019 immer noch eine autokratische Diktatur ist. Ich bin gespannt, wie China und die Welt in 30 weiteren Jahren aussehen werden, in der Hoffnung, dass ich das Jahr 2049 gesund und munter erleben werde!

Pianissimo continued (3.3.2019)

Da "Pianissimo" von unseren Hörern gut angenommen wurde, haben wir etwas Arbeit darin gesteckt, die Reihe so lange wie momentan möglich fortzusetzen und dabei praktisch alle der passenden Klavierwerke in den twentysound-Archiven auszustrahlen. Zusätzlich zu den unten erwähnten Komponisten und Werken konnten wir endlich die "24 Präludien und Fugen" op.84 von Schostakowitsch in 2 Aufnahmen (Tatjana Nikolajeva und der berühmte Jazz-Pianist Keith Jarrett) hinzufügen. Weitere an der Zahl 24 orientierte zyklische Werke im Programm sind seine 24 Preludes, die 24 Preludes von Wsewolod Zaderatsky und die 24 Marginalien von Jaan Rääts. Wichtige weitere Werke sind "Ludus tonalis" von Paul Hindemith und einige der "Studies for Player Piano" von Conlon Nancarrow. Schliesslich wurden einige Stücke von Robert Schumann hinzugenommen, natürlich keine Musik aus dem 20. Jahrhundert, in einer Aufnahme mit Cecile Licad, die mit ihrer Aufnahme des 2. Klavierkonzertes von Rachmaninoff bekannt wurde. Insgesamt besteht die "Pianissimo"-Reihe jetzt aus 35 zweistündigen Sendungen, die Erstausstrahlung endet am 10.März 2019.

Pianissimo (4.2.2019)

Nach einer längeren Pause haben wir endlich wieder viele neue Sendungen zusammengestellt. Neben neuen Sendungen der Reihen "Afternoon Concert", "Regions" und "Orchestral Works" gibt es auch eine neue Reihe, "Pianissimo", die ganz dem Klavier gewidmet ist (und die nicht nur besonders leise Musik enthält). Stark vertreten sind russische Komponisten wie Schostakowitsch oder Rachmaninoff, aber auch Komponisten wie Ravel, Chopin oder Ciurlionis. Dazu kommen zwischen Klassik und populärer Musik stehende Künstler wie Didier Squiban und Antonija Pacek, Die Reihe wird ab heute für erstmal 2 Wochen ab 22:00 anstelle der "Evening Sounds" gespielt. Sie wird künftig noch deutlich ausgeweitet. Wir freuen uns auf Ihr Feedback zu dieser neuen Reihe!

Advent (1.12.2018)

Wie letztes Jahr sendet twentysound auch dieses Jahr ein Advent-Sonderprogramm mit moderner und traditioneller Weihnachtsmusik. Der "Adventskalender" des englischen ORA Chors wurde um Stücke aus ihrer neuen CD "The Mystery of Christmas" ergänzt, und um "Christmas in the Valleys", eine CD mit verschiedenen Chören aus Wales. Weiter zum Adventsprogramm hinzugekommen sind die "Christmas Symphony" des amerikanischen Komponisten William Henry Fry und Chorwerke von Charles Villiers Stanford. Das zweistündige Programm wird täglich um 20:00 ausgestrahlt und nach Mitternacht wiederholt. Am Wochenende senden wir es auch morgens um 8:00. Wir wünschen Ihnen eine friedliche Weihnachtszeit!

Sonderprogramme - Movie Sounds, Modern Women und Romantic Roots (14.5.2018)

Unsere geplanten 3 neuen Sonderprogramme sind endlich bereit und werden in den nächsten 8 Wochen im "Modern Symphonies"-Slot ab 18:00 vorgestellt, "Movie Sounds" jeweils freitags, "Modern Women" jeweils samstags und "Romantic Roots" jeweils sonntags. Unsere beiden älteren Sonderprogramme, die "Remembrance - World Wars"-Reihe und die "Classic Jazz"-Sendungen, werden dazu ebenfalls wiederholt, erstere mittwochs und letztere donnerstags.

Der Anstoß für "Movie Sounds" kam daher, dass zwei wichtige russische Komponisten, Dimitri Schostakowitsch und Alfred Schnittke, viel Filmmusik geschrieben haben. Die Filmmusiken von Schostakowitsch sind schon länger in unserem Portfolio vertreten, diejenigen von Schnittke erst in letzer Zeit dazugekommen. Einige andere klassische Komponisten kamen ursprünglich aus dem Bereich der Filmmusik, wie Miklos Rozsa oder Nino Rota oder sind mit ihr eng verbunden wie Wolfgang Korngold. Bekannte jüngere Komponisten wie Howard Shore, John Williams oder John Barry tauchen auch in dem Programm auf. Das Programm ist eine Mischung von kurzen Stücken und ganzen Filmmusik-Suiten, allerdings aufgrund der Länge keine kompletten Filmmusiken.

Das "Modern Women"-Programm ist das vielfältigste unter unseren neuen Programmen, da es Werke aller Regionen und aller Zeitabschnitte innerhalb der Moderne in bunter Mischung enthält. Viele wichtige Komponistinnen kommen aus Russland, wie Galina Ustwolskaja, Sofija Gubaidulina oder Alla Pavlova. Eine andere Region, in der viele Komponistinnen aktiv sind, sind die U.S.A., z.B. mit Gloria Coates oder Amy Beach. Frangis Ali-Zadeh und Onute Narbutaite repräsentieren kleinere Staaten, die aus der ehemaligen UdSSR hervorgegangen sind, während Grazyna Bacewicz oder Ljubica Maric Mittel- und Osteuropa vertreten. In unserem Portfolio gibt es bei Komponistinnen leider eine Lücke bei Westeuropa, aber immerhin vertreten Grete von Zieritz und Ruth Zechlin Deutschland und die Boulanger-Schwestern Frankreich. Dafür kommen mehrere interessante Komponistinnen aus Australien, z.B. Elena Kats-Chernin, Margaret Sutherland oder Miriam Hyde.

Unser drittes neues Programm, "Romantic Roots", wurde dadurch angeregt, dass sich in unseren Archiven viele sehr gute Aufnahmen von Werken der großen romantischen und klassischen Komponisten finden. Viele dieser CDs stammen aus den 1980'ern, Aufnahmen der Deutschen Grammophon, aber auch von Philips, Supraphon oder Eterna aus dieser Zeit - die frühen klassischen CDs sind eine Art Nebenhobby von mir. Diese Aufnahmen werden mit passenden Werken der Moderne kontrastiert, z.B. Bruckners Vierte mit Rautavaaras Dritter Symphonie, oder Dvoraks Cellokonzert mit Martinus Rhapsodie-Konzert für Viola. Manchmal ist die Verbindung etwas versteckt - Beethovens Siebte wird mit Ernst Hermann Meyers Symphonie in B kontrastiert - Meyer, ein DDR-Komponist, hatte einst ein Essay geschrieben, in dem er darlegte, dass Beethoven ein früher Revolutionär war, im Grunde ein Vorläufer der sozialistischen Komponisten!

Bei "Romantic Roots 004", geplant für Sonntag 10. Juni, können Sie sich auf Schumanns Vierte freuen, in zwei Fassungen, die erste orchestriert von Mahler und die zweite durch Schumann selbst. Getrennt werden die Versionen durch das radikalste mir bekannte Werk der Moderne, "Punkt Kontrapunkt" von Bruno Heinz Jaja, mit der berühmten 3/4-Pause, die dem Werk einen leichten Wiener Touch verleiht...

Diese neuen Sonderprogramme werden zukünftig erweitert - es gibt noch viele passende Werke hierfür in unseren Archiven, wir freuen uns aber natürlich auch über entsprechende Vorschläge!

New Arrivals V (21.4.2018)

Die Neuankömmlinge des ersten Quartals 2017 (ca. 60 CDs) zeichnen sich diesmal durch ihre große Vielfalt aus. Deutlicht wird das in der am 21.4. gestarteten "New Arrivals"-Programmreihe, die anstelle des "Symphonien"-Slots um 18:00 und anstelle der nächtlichen Wiederholung des "Regions"-Slots gespielt wird. Die Werke reichen von Filmmusik (z.B. "James Bond"-Melodien von John Barry, klassische Filmmusiken von Miklos Rosza oder modernere von Alfred Schnittke), entspannter Klaviermusik von Antonija Pacek und Enrico Vallone, Werken der Romantik wie Antonin Dvoraks Cellokonzert bis hin zu einer Anzahl moderner Konzerte von Mantovani, Schoeller or Zahnhausen.

Einer der Gründe für die Vielfalt der Werke liegt darin, dass wir in den nächsten Wochen drei neue Programmreihen starten wollen:
  • "Modern Women" - Komponistinnen der Moderne
  • "Movie Sounds" - klassische und moderne Filmmusik
  • "Romantic Roots" - ein Dialog zwischen Werken der Klassik und Romantik und passenden Werken der Moderne
Details zu den neuen Programmreihen erfahren Sie demnächst. Geplant ist, diese Programmreihen an je einem Wochentag über eine längere Zeit laufen zu lassen.

Wir bedanken uns sehr herzlich für verschiedene Musikspenden, zum Beispiel vom Kurt Schwaen Archiv Aufnahmen, die unsere Sendungen zur "Musikregion DDR" bereichern werden. Dank auch an Antonija Pacek und an Enrico Vallone, die unabhängig voneinander Aufnahmen ihrer Klavierwerke bereitgestellt haben, die in unserer "Relaxed Morning" Sendereihe vorgestellt werden, und an Navona Music und Albany Records, die beide viel zu der geplanten "Modern Women" Sendereihe beigetragen haben. Und natürlich besonderen Dank an R.M., insbesondere wegen der Unterstützung bei den Violinkonzerten von Florence B. Price!

Mit Sicherheit das exotischste Werk der letzten paar Monate ist die "Long March Symphony" des chinesischen Komponisten Ding Shan-de, eine seltene und wertvolle CD aus dem Jahre 1984, die ich in einem Secondhand-Musikladen in Stuttgart entdeckt habe. Es macht immer wieder Spaß, in solchen Läden zu stöbern, insbesondere wenn man wie hier Raritäten zu guten Preisen entdecken kann!

twentysound in den jährlichen Mitteilungen des Kurt Schwaen Archivs (23.12.2017)

Aufgrund unseres Interesses an ostdeutschen Komponisten wurde uns angeboten, einen Überblicksartikel über unseren Sender in den einmal pro Jahr herausgegebenen "Mitteilungen" des Kurt Schwaen Archive in Berlin zu veröffentlichen. Dieser Artikel kann gefunden werden unter:
http://www.kurtschwaen.de/schwaen/news_mitteilungen,mitteilungen21.html

Aus Anlass der Veröffentlichung des Artikels sendet twentysound ab dem 25.12. 7 Programme aus der Serie "Musical Regions", die ostdeutschen Komponisten und damit natürlich auch Kurt Schwaen gewidmet sind.

twentysound App (10.12.2017)

twentysound hat jetzt eine eigene Android App! Dank eines günstigen Angebotes eines App-Entwicklers steht jetzt eine App zum Download über Google Play zur Verfügung, die es einfach macht, mit jedem Android Smartphone twentysound ohne große Suche zu empfangen. Sie können die App im Google Play Store unter "twentysound" oder direkt über folgenden Link finden:
https://play.google.com/store/apps/details?id=info.twentysound.station Die App unterstützt neben dem direkten Empfang von twentysound auch Podcasts. Hier können wir aus Copyright-Gründen natürlich keine Musik einstellen, aber vielleicht mal Sendungen über Komponisten oder auch Interviews. Ideen und Beiträge unserer Hörer sind hier natürlich herzlich willkommen!

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Twentysound-Idee

Um die Idee hinter twentysound zu verstehen, ein kleiner Ausflug in die Musikgeschichte:
Vor dem Ersten Weltkrieg war in der Klassischen Musik die spätromantische Musik vorherrschend, aufgeteilt in konservative und fortschrittliche Schulen, oft auf Basis der musikalischen Traditionen der Heimatländer der Komponisten. In den Konzerten wurde regelmäßig zeitgenössische Musik gespielt, und die Kritiker diskutierten sie in den Feuilletons.

Die Komponisten entwickelten ihre Stile auch nach dem 1. Weltkrieg organisch weiter, oft an der Grenze der Tonalität, und auch unter Einbeziehung neuer Musikstile wie Jazz. Es gab eine große Bandbreite zwischen konservativen und moderneren Komponisten. Eine kleine Gruppe von österreichischen Komponisten um Arnold Schönberg, die "Zweite Wiener Schule", ging weiter und entwickelte neue, auf Zwölftonreihen beruhende Musiktechniken, basierend mehr auf Mathematik als auf musikalischem Gefühl. Im Konzertleben spielte sie aber nur eine kleine Rolle.

Dann kam der 2. Weltkrieg. Die Menschen hatten anderes zu tun, als sich um die Weiterentwicklung der Musikkultur zu kümmern. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Welt in 2 Hälften geteilt. Der Osten folgte dem schon vor dem Krieg in der UdSSR eingeschlagenem Weg des "Sozialistischen Realismus". Alle Künste, so auch die Musik, hätten dem Volk zu dienen und müssten verständlich und klar sein. Seltsamerweise half das den klassischen Komponisten, den Kontakt zum Publikum nicht zu verlieren. Es gab keinen Modernitäts-Wettlauf, und die Hörer achteten bei Konzerten auf jede potenziell regimekritische Nuance. Manche Komponisten wurden aber auch gebrochen oder sogar eingesperrt und ermordet.

In Westeuropa passierte zweierlei. Einerseits interessierte sich die Jugend mehr für die populäre Musikkultur der Amerikaner, Jazz, Blues, später Rock und Pop. Andererseits wandten sich auch die (Musik)-Intellektuellen vom Vergangenen ab und stürzten sich immer mehr auf die Techniken der Zweiten Wiener Schule. Dafür wurde der Begriff "Neue Musik" geprägt. Die Kulturpolitik und wohl auch amerikanische Geheimdienste (Frances Stonor Saunders: "Who paid the piper") unterstützten dies, um den Kontrast zum unterdrückten Osteuropa deutlich zu machen.

Die Vorkriegsgeneration der Komponisten geriet schnell in relative Vergessenheit. In den Konzerten wurden sie ignoriert, dafür wurden Werke der "Neuen Musik" gerne von klassischen Werken, von Mozart, Beethoven, Brahms, eingerahmt, um den Konzertbesuchern die Flucht schwerzumachen. Bei Schallplatten hatten es die Musikhörer einfacher, der "Neuen Musik" auszuweichen. Gleichzeitig bläuten die Musikkritiker der kulturinteressierten Bevölkerung ein, dass nur "Neue Musik" und ihre Vorläufer bei zeitgenössischer Musik zählen, alles andere Kitsch oder "Filmmusik" sei.

Durch die Wiederentdeckung der Alten Musik, oft mit Originalinstrumenten gespielt, dehnte sich das Portfolio der Konzerte und vor allem auch der Tonträger weit in die Vergangenheit aus. Ein klassischer Komponist war damals im Bewusstsein der Öffentlichkeit fast immer ein mindestens 100 Jahre lang toter Komponist. Das weite Feld der Musikgeschichte lenkte Musiker wie Hörer vom zeitgenössischen Musikschaffen aller Richtungen ab.

Die verlorene Generation der Komponisten litt auch darunter, dass es für sie keinen richtigen Namen gab. Viele Komponisten des 20. Jahrhunderts wurden der Spätromantik zugeschlagen. "Zeitgenössisch" ist ein unpassendes Wort, da die Zeit ja weiter geht. Der passenste Begriff ist noch "Moderne" Musik, aber das kann auch missverstanden werden.

Eine gewisse Wende gab es in den späten 1980ern, mit der Öffnung des Ostens. Dimitri Schostakowitsch, der bedeutenste Komponist der Sowjetunion, wurde auch im Westen immer häufiger gespielt, manche seiner Werke sogar als Filmmusik verwendet. Der Dirigent Herbert von Karajan, Hochkönig der Klassik,spielte die 10. Symphonie von Schostakowitsch ein. Auch spätromantische, oder besser frühmoderne, Komponisten wie Gustav Mahler wurden von der breiten Musiköffentlichkeit wiederentdeckt.

Aber der größte Schaden war nicht mehr rückgängig zu machen - den Klassik-Konzertgängern, schon aufgrund der dominanten Popmusik eine Minderheit, waren die rauen, rhytmischeren Klängen der Moderne fremd geworden. Die Jugend wird, selbst wenn sie von der älteren Generation an die Klassik herangeführt wird, diese nur als klanglich brilliante, aber intellektuell in den Tiefen der Zeit eingefrorene Bach-Beethoven-Brahms-Klassik kennenlernen.

Trotzdem, die Musikkultur entwickelt sich immer irgendwie weiter. Die Entwicklungslinien der klassischen Musik sind nicht tot, viele Komponisten pflegen sie weiter. Immer mehr Musikhörer interessieren sich für ungewohnte, nicht tausendmal totgehörte Wege.

twentysound möchte dazu beitragen, diese in der breiteren Musikhörerschaft ignorierten Komponisten wieder populär zumachen. Gehör verschaffen möchten wir auch denjenigen Tonsetzern der aktuellen Generation, die in der Nachfolge dieser Komponisten der Moderne arbeiten. Weniger wichtig ist für twentysound der Vergleich unterschiedlicher Interpretationen eines kleinen "Kanons" klassischer Werke durch verschiedene Dirigenten - wir haben normalerweise nur eine Version eines Werks im Portfolio.

Wir bitten die Musikwissenschaftler explizit um Entschuldigung für die verkürzte und etwas polemische Zusammenfassung von 100 Jahren Musikgeschichte!