twentysoundBlogKomponistenProgrammKontaktEnglish


Inauguration Concert (20.01.2017)

Um die heutige Amtseinführung des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten zu feiern, haben wir eine Sondersendung vorbereitet. Bei der Auswahl der Werke habe ich mich von verschiedenen Assoziationen leiten lassen, sowohl bei den Titeln der Werke als auch bei ihrem Inhalt. Der Höhepunkt der Sendung ist natürlich die zehnte Symphonie von Dimitri Schostakowitsch. Geniessen Sie das Programm und die nächsten 4 Jahre - vielleicht sind sie leichter auszuhalten, wenn man sie als eine Art ausgedehnter Unterhaltungssendung ansieht! Die vierstündige Sendung wird heute (20.1.) den "Modern Symphonies"-Slot ersetzen, Start um 18:00 MEZ, und wird ab 0:00 MEZ am Samstag wiederholt.

Neuankömmlinge (27.11.2016)

Nach einigen Verzögerungen haben wir es endlich geschafft, eine Reihe von CDs aus den letzten 6 Monaten in unser Programm zu integrieren. Unter den Neuankömmlingen finden sich Streichquartette von Frank Bridge und William Walton (letztere gekauft in Waltons Villa auf Ischia, Italien, die in einem wunderschönen Park liegt!), Symphonien der amerikanischen Komponisten William Grant Still, Albert Hurwit und Bernard Herman, Orchesterwerke der französischen Komponisten Vincent d'Indy und Alexandre Tansman. Dank Parma Recordings konnten interessante Chorwerke ("Cadence" / Navona) und Orchesterwerke ("Intersections" / Ansonica) verschiedener amerikanischer Komponisten dem Programm hinzugefügt werden. Wir danken auch Albany Music für eine ganze Anzahl hochinteressanter Werke, z.B. Marimbawerke von Anders Koppel und anderen ("Zamiki" / Equilibrium) oder Lieder von Moondog ("Round the World of Sound" / New World Recordings), Die hier erwähnte Auswahl ist zum guten Teil auch den Vorschlägen und der Arbeit unseres Unterstützer R.M. zu verdanken!

Die Neuankömmlinge wurden in die verschiedenen Programmslots eingefügt. Zusätzlich ersetzen wir das "Regionen"-Programm der kommenden Woche durch unser "New Arrivals"-Programm, das viele der obigen Werke und weitere seit dem vergangenen Frühjahr neu hinzugefügte Aufnahmen enthält.

Twentysound-Werbepostkarte (1.11.2016)

Postkarte

twentysound hat jetzt eine eigene Werbepostkarte! Auf der Vorderseite grüßen Schostakowitsch, Martinu und Ustwolskaja, auf der Bildseite dient unser Senderlogo als Plattencover und Blickfang. Wenn Sie damit etwas Werbung für twentysound machen wollen, schicken wir Ihnen gerne 20 oder 50 Stück kostenfrei zu - unsere Kontaktdaten finden Sie hier .

Programmschema-Änderung (15.05.2016)

Ab dem 17. Mai stellen wir unser Programmschema leicht um - die "Kernprogramme" Musik-Regionen, Konzerte der Moderne und Welt der Symphonien verschieben sich um eine Stunde nach hinten, morgens wird dafür das "Relaxed Morning"-Programm auf vier Stunden verlängert. Dieses Program werden wir in den nächsten Wochen noch etwas anreichern, vor allem mit entspannender Jazzmusik aus aller Welt. Das Wochenend-Programm wird jetzt im Schema dem Wochenprogramm angeglichen. Ich hoffe, den twentysound-Hörern gefällt das neue Programmschema!

Sibelius und Koppel

Sie wissen sicher, dass am 8. Dezember der 150ste Geburtstag von Jean Sibelius gefeiert wird, mit Sicherheit der wichtigste finnische Komponist, dessen Werk eine Brücke zwischen der Romantik und Moderne bildet. Um ihn zu ehren, werden vom 7. bis 13.12. alle "Symphonien der Moderne"-Programme jeweils eine Sibelius-Symphonie enthalten. Ausserdem spielen wir jeden Dienstag und Donnerstag ein Finnland-Programm in den "Musik-Regionen", natürlich mit garantiertem Sibelius-Gehalt.

Aber das ist nicht alles zum Thema Nordeuropa. Wir haben gerade eine Anzahl neuer dänischer Werke in unser Programm aufgenommen. In dieser Sammlung, sind wir über eine einzigartige dänische Familie gestolpert, die Koppels, mit 3 Komponisten und eine Reihe von Musikern. Herman (nur 1 "n"!) David Koppel wurde 1908 als Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer geboren und war ein vielseitiger Pianist und Komponist, dessen Symphonien die Wiederentdeckung verdienen.Seine Söhne Thomas und Anders wurden ebenfalls Komponisten und Musiker, seine Töchter Lone und Therese ein Sopran am "Königlichen Theater", der Dänischen Staatsoper und eine Pianistin. In den neuen "Musikregion Dänemark"-Programmen, die am Montag, 7.12., Mittwoch 9.12. und Freitag 11.12. gespielt werden, werden wir Symphonien von Herman D. Koppel und Konzerte von Thomas und Anders Koppel spielen. Übrigens - der Instrumentalist der Saxophonkonzerte von Anders Koppel ist sein Sohn Benjamin Koppel. 3 Generationen von Musikern - das ist ziemlich einzigartig!

Jazz Goes Classic

An den nächsten 3 Sonntagen, ab dem 22.11., werden wir das 17:00-Programm "Symphonien der Moderne" durch "Classical Jazz" ersetzen, ein dreiteiliges "Special Feature", dass sich mit der Wechselwirkung zwischen Klassik und Jazz beschäftigt.

Einige Komponisten des 20. Jahrhunderts haben Werke in einem Jazz-basiertem Stil geschrieben. Dimitri Schostakowitsch, George Antheil und Erwin Schulhoff sind die bekanntesten derjenigen, die von der klassischen Seite kommen, aber natürlich fällt einem dabei zuerst George Gershwin ein. Er ist ein Bindeglied zwischen den Welten der "klassischen" und der "populären" Musik der Musicals, von Komponisten wie Irving Berlin, Jerome Kern oder Cole Porter. Viele der in den Sendungen zu hörenden Werke von Gershwin, Berlin, Kern und Porter werden übrigens von dem Violinduo Yehudi Menuhin und Stéphane Grappelli gespielt. Zwei afro-amerikanische Komponisten dieser Zeit, James P. Johnson und William Levi Dawson bieten eine weitere Perspektive auf die Kombination von klassischer Musik mit Jazz- und Blues-Melodien.

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts kombinierten Komponisten Jazz und Klassik manchmal bei Instrumentalkonzerten, wie z.B. der Pianist und Komponist Friedrich Gulda, Bernhard Krol (Vater meines Schul-Musiklehrers) oder Rolf Liebermann. Der finnische Komponist Timo Alakotila kombiniert Jazz, Volksmusik und klassische Kompositionsweisen in seinen Werken, der australische Komponist Michael Easton bezieht sich wiederum auf Gershwin mit seinem Werk "Ein Australier in Paris".

Der gegenwärtig aus meiner Sicht wichtigste Jazz und Klassik kombinierende Komponist kommt aus Leipzig - Stephan König, der eine Reihe jazziger Klavierkonzerte geschrieben hat, von denen 3 neben anderen seiner Werke in dieser Reihe gesendet werden.

Italien in den "Musik-Regionen" im Oktober und November

In der letzten Oktoberwoche und im November 2015 ist das "Musik-Regionen"-Programm Dienstags und Donnerstags dem auch nicht immer sonnigen Italien gewidmet.

Italien ist musikalisch geprägt durch seine Opernkomponisten und durch die große Vielfalt der italienischen Barockmusik. Im 20. Jahrhundert ist Italien musikalisch dagegen nicht mehr so sehr aufgefallen. Der bekannteste Komponist ist Ottorino Respighi - jeder kennt seine "Römische Trilogie", besonders die "Pini di Roma". Auffallend viele Komponisten Italiens haben sich wie er von der "Neuen Musik" ferngehalten, zum Beispiel Nino Rota, durch Filmmusik bekannt geworden und mit sehr hörenswerter Orchester- und Kammermusik im Programm vertreten, oder Aldo Finzi, der während des 2. Weltkrieges verfolgt wurde und dann in Vergessenheit geriet. Dieser Komponist wurd twenysound durch einen Hörer empfohlen. Auch Goffredo Petrassi, der durchaus auch seriellen Stil verwendet hat, aber dennoch sehr gut zu hören ist, und Giorgio Federico Ghedini sind mit mehreren Orchester- und Kammermusikwerken in den 9 geplanten Italien-Sendungen vertreten.

Ein weiterer Schwerpunkt des aktuellen italienischen Komponistenschaffens ist die Gitarrenmusik - Mario Castelnuovo-Tedesco, der aufgrund seiner Herkunft ins Exil nach Amerika gehen musste, ist hier die Schlüsselfigur. Weitere italienische Komponisten für Gitarre sind Angelo Gilardino, Carlo Domeniconi und Franco Cavallone.

Natürlich werden auch viele andere hier nicht erwähnte Komponisten in den Italien-Programmen gespielt werden, und natürlich gibt es auch viele, die wir aufgrund von Wissenslücken nicht im Programm haben. Wir freuen uns immer über Vorschläge und Hinweise!

Neu - der Twentysound Blog

Ab heute, 25.10.2015, gibt es den Twentysound-Blog, mit Programmankündigungen, kurzen Hinweisen zu besonders interessanten Komponisten und vielem mehr!

Um die Idee hinter twentysound zu verstehen, ein kleiner Ausflug in die Musikgeschichte:


Vor dem Ersten Weltkrieg war in der Klassischen Musik die spätromantische Musik vorherrschend, aufgeteilt in konservative und fortschrittliche Schulen, oft auf Basis der musikalischen Traditionen der Heimatländer der Komponisten. In den Konzerten wurde regelmäßig zeitgenössische Musik gespielt, und die Kritiker diskutierten sie in den Feuilletons.

Die Komponisten entwickelten ihre Stile auch nach dem 1. Weltkrieg organisch weiter, oft an der Grenze der Tonalität, und auch unter Einbeziehung neuer Musikstile wie Jazz. Es gab eine große Bandbreite zwischen konservativen und moderneren Komponisten. Eine kleine Gruppe von österreichischen Komponisten um Arnold Schönberg, die "Zweite Wiener Schule", ging weiter und entwickelte neue, auf Zwölftonreihen beruhende Musiktechniken, basierend mehr auf Mathematik als auf musikalischem Gefühl. Im Konzertleben spielte sie aber nur eine kleine Rolle.

Dann kam der 2. Weltkrieg. Die Menschen hatten anderes zu tun, als sich um die Weiterentwicklung der Musikkultur zu kümmern. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Welt in 2 Hälften geteilt. Der Osten folgte dem schon vor dem Krieg in der UdSSR eingeschlagenem Weg des "Sozialistischen Realismus". Alle Künste, so auch die Musik, hätten dem Volk zu dienen und müssten verständlich und klar sein. Seltsamerweise half das den klassischen Komponisten, den Kontakt zum Publikum nicht zu verlieren. Es gab keinen Modernitäts-Wettlauf, und die Hörer achteten bei Konzerten auf jede potenziell regimekritische Nuance. Manche Komponisten wurden aber auch gebrochen oder sogar eingesperrt und ermordet.

In Westeuropa passierte zweierlei. Einerseits interessierte sich die Jugend mehr für die populäre Musikkultur der Amerikaner, Jazz, Blues, später Rock und Pop. Andererseits wandten sich auch die (Musik)-Intellektuellen vom Vergangenen ab und stürzten sich immer mehr auf die Techniken der Zweiten Wiener Schule. Dafür wurde der Begriff "Neue Musik" geprägt. Die Kulturpolitik und wohl auch amerikanische Geheimdienste (Frances Stonor Saunders: "Who paid the piper") unterstützten dies, um den Kontrast zum unterdrückten Osteuropa deutlich zu machen.

Die Vorkriegsgeneration der Komponisten geriet schnell in relative Vergessenheit. In den Konzerten wurden sie ignoriert, dafür wurden Werke der "Neuen Musik" gerne von klassischen Werken, von Mozart, Beethoven, Brahms, eingerahmt, um den Konzertbesuchern die Flucht schwerzumachen. Bei Schallplatten hatten es die Musikhörer einfacher, der "Neuen Musik" auszuweichen. Gleichzeitig bläuten die Musikkritiker der kulturinteressierten Bevölkerung ein, dass nur "Neue Musik" und ihre Vorläufer bei zeitgenössischer Musik zählen, alles andere Kitsch oder "Filmmusik" sei.

Durch die Wiederentdeckung der Alten Musik, oft mit Originalinstrumenten gespielt, dehnte sich das Portfolio der Konzerte und vor allem auch der Tonträger weit in die Vergangenheit aus. Ein klassischer Komponist war damals im Bewusstsein der Öffentlichkeit fast immer ein mindestens 100 Jahre lang toter Komponist. Das weite Feld der Musikgeschichte lenkte Musiker wie Hörer vom zeitgenössischen Musikschaffen aller Richtungen ab.

Die verlorene Generation der Komponisten litt auch darunter, dass es für sie keinen richtigen Namen gab. Viele Komponisten des 20. Jahrhunderts wurden der Spätromantik zugeschlagen. "Zeitgenössisch" ist ein unpassendes Wort, da die Zeit ja weiter geht. Der passenste Begriff ist noch "Moderne" Musik, aber das kann auch missverstanden werden.

Eine gewisse Wende gab es in den späten 1980ern, mit der Öffnung des Ostens. Dimitri Schostakowitsch, der bedeutenste Komponist der Sowjetunion, wurde auch im Westen immer häufiger gespielt, manche seiner Werke sogar als Filmmusik verwendet. Der Dirigent Herbert von Karajan, Hochkönig der Klassik,spielte die 10. Symphonie von Schostakowitsch ein. Auch spätromantische, oder besser frühmoderne, Komponisten wie Gustav Mahler wurden von der breiten Musiköffentlichkeit wiederentdeckt.

Aber der größte Schaden war nicht mehr rückgängig zu machen - den Klassik-Konzertgängern, schon aufgrund der dominanten Popmusik eine Minderheit, waren die rauen, rhytmischeren Klängen der Moderne fremd geworden. Die Jugend wird, selbst wenn sie von der älteren Generation an die Klassik herangeführt wird, diese nur als klanglich brilliante, aber intellektuell in den Tiefen der Zeit eingefrorene Bach-Beethoven-Brahms-Klassik kennenlernen.

Trotzdem, die Musikkultur entwickelt sich immer irgendwie weiter. Die Entwicklungslinien der klassischen Musik sind nicht tot, viele Komponisten pflegen sie weiter. Immer mehr Musikhörer interessieren sich für ungewohnte, nicht tausendmal totgehörte Wege.

twentysound möchte dazu beitragen, diese in der breiteren Musikhörerschaft ignorierten Komponisten wieder populär zumachen. Gehör verschaffen möchten wir auch denjenigen Tonsetzern der aktuellen Generation, die in der Nachfolge dieser Komponisten der Moderne arbeiten. Weniger wichtig ist für twentysound der Vergleich unterschiedlicher Interpretationen eines kleinen "Kanons" klassischer Werke durch verschiedene Dirigenten - wir haben normalerweise nur eine Version eines Werks im Portfolio.

Wir bitten die Musikwissenschaftler explizit um Entschuldigung für die verkürzte und etwas polemische Zusammenfassung von 100 Jahren Musikgeschichte!