twentysound Blog Komponisten Programm Kontakt English

Unterstützung gesucht! (8.11.2021)

Um unser Programm noch attraktiver und auch bekannter zu machen, suchen wir 2 Studierende der Musik bzw. Musikwissenschaften als Unterstützung für ca. 3 Stunden pro Woche, die sich als Team mit der Weiterentwicklung des Programms von twentysound beschäftigen und den Sender bei Musikhörern bekannter machen sollen. Standort Berlin oder Potsdam wären optimal, aber kein Muss. Das Projekt ist erstmal für ein halbes Jahr angesetzt, kann aber bei Erfolg auch weitergeführt werden. Wichtig sind ein Interesse an der klassischen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, Kommunikationsvermögen, Eigeninitiative und Kreativität. Bitte kontaktieren Sie uns via email (js at twentysound.net) mit einer kurzen Beschreibung Ihrer Studienrichtung, Erfahrungen und den musikalischen Interessen im Bereich, der für twentysound von Bedeutung ist.

NEXTUS Festival (17.4.- 9.5.2021)

Gerade während der Corona-Pandemie hat es sich gezeigt, dass die klassische Musik und die sie vertretenden Künstler*innen neue Wege beschreiten müssen, um in einer sich wandelnden Welt zu überleben und Bedeutung zu haben. Das NEXTUS Festival ist ein solcher Versuch - von 60 Musikern und Künstlern selbst organisiert, mit eigenen und fremden Kompositionen und aufgebaut als Online-Festival mit der Möglichkeit des direkten Austausches zwischen den Zuhörern und den Künstlern. Es findet an 4 Wochenenden ab dem 17.4. statt. Neben der Musik spielt auch die Natur eine wichtige Rolle, unter dem Titel "Green Mission" werden ökologische Projekte vorgestellt und gefördert. twentysound ist nicht direkt mit dem Festival verbunden, spielt aber regelmäßig Werke einer der vertretenen Künstlerinnen, Antonija Pacek, und plant, eine Interview-Sendung mit Festivalorganisatoren und -künstlern zu senden.

Ergänzung: Die Interview-Sendung mit Sofia Livotov und Benjamin Hewat-Craw wurde am 16.4. um 18:00 und am 17.4. um 8:00 ausgestrahlt. Das Interview fand auf Englisch statt. Das ist die erste Interview-Sendung von Twentysound!

Computed Music - Update (27.3.2021)

An diesem und dem folgendem Wochenende wird die "Computed Music"-Sendereihe wiederholt, mit einem kleinen Update. Dieser Update besteht in einer interessanten "Entdeckung", dem Komponisten und Musiker Mikhail Chekalin. Er gilt als "bekanntester Unbekannter" der sowjetischen elektronischen Musik, sehr viel über ihn konnte ich aber noch nicht herausfinden. Sein Stil könnte vielleicht als "symphonisch-elektronisch-phantastisch" beschrieben werden, er hat seine Werke selbst mit Live-Elektronik eingespielt. Die 4 "Computed Music"-Sendungen werden am 27. und 28.3. und am 3. und 4.4. von 18:00 bis 20:00 gesendet.

Songlines (22.1.2021)

Normalerweise werden Sie nicht viel Vokalmusik in unseren Programmen finden. Aber über die Jahre haben sich doch einige Werke in unserem Repertoire angesammelt und verdienen es, gehört zu werden. Hierfür haben wir die "Songlines"-Programmreihe geschaffen, zweistündige Sendungen, die Lieder (meist mit Klavierbegleitung, aber manche auch mit Orchester- oder Kammerensemble-Begleitung) und Chorwerke vorstellen, dazwischen kurze Klavierwerke als Überleitung. Ich möchte Pedro Miguel Nunes aus Portugal und dem Kurt Schwaen Archiv für die Unterstützung zu diesen Programmen danken!

Die "Songlines"-Programme werden in den nächsten paar Wochen um 18:00 ausgestrahlt, darauf folgen zwei Stunden der "Evening Sounds"-Reihe. Die "Modern Symphonies"-Reihe wird weiterhin zu dieser Zeit an Wochentagen fortgesetzt.

Computed Music (16.7.2020)

Nach einiger Vorbereitungszeit startet heute um 14:00 die Erstausstrahlung der "Computed Music"-Sendereihe. Der Schwerpunkt liegt auf mit Algorithmen komponierten Werken, dazu kommen aber auch Werke, die elektronische Klänge verwenden. Wichtige Komponisten der ersten Kategorie sind Lejaren A. Hiller, der schon in den 1950ern Werke mit dem Computer komponierte, David Cope, der versuchte, die Stile klassischer Komponisten nachzuahmen, und Georgi Minti, der mit der auf künstlicher Intelligenz beruhenden "AIVA" Umgebung in Kombination mit zufallsgenerierten Daten arbeitet. Elektronisch erzeugte Klänge werden in der Reihe von Komponisten wie Michael Obst und Neil B. Rolnick verwendet. Die Reihe besteht momentan nur aus 4 zweistündigen Sendungen, die in den folgenden Tagen um 14:00 ausgestrahlt werden.

In eigener Sache (2020 / 2021)

Sie haben vielleicht bemerkt, dass seit Februar 2020 nicht so viel neues auf Twentysound passiert ist. Das hat mit einem Karrierewechsel des Programm-Managers zu tun... der Einstieg als Junglehrer ("jung" jetzt nicht im wortwörtlichen Sinne) ist ziemlich zeitaufwendig. Ab Sommer 2021 wird das hoffentlich wieder besser (da wird hoffentlich sehr viel wieder besser!).



Wichtige ältere Einträge:

twentysound in den jährlichen Mitteilungen des Kurt Schwaen Archivs (23.12.2017)

Aufgrund unseres Interesses an ostdeutschen Komponisten wurde uns angeboten, einen Überblicksartikel über unseren Sender in den einmal pro Jahr herausgegebenen "Mitteilungen" des Kurt Schwaen Archive in Berlin zu veröffentlichen. Dieser Artikel kann gefunden werden unter:
http://www.kurtschwaen.de/schwaen/news_mitteilungen,mitteilungen21.html

Aus Anlass der Veröffentlichung des Artikels sendet twentysound ab dem 25.12. 7 Programme aus der Serie "Musical Regions", die ostdeutschen Komponisten und damit natürlich auch Kurt Schwaen gewidmet sind.

twentysound App (10.12.2017)

twentysound hat jetzt eine eigene Android App! Dank eines günstigen Angebotes eines App-Entwicklers steht jetzt eine App zum Download über Google Play zur Verfügung, die es einfach macht, mit jedem Android Smartphone twentysound ohne große Suche zu empfangen. Sie können die App im Google Play Store unter "twentysound" oder direkt über folgenden Link finden:
https://play.google.com/store/apps/details?id=info.twentysound.station

Die App unterstützt neben dem direkten Empfang von twentysound auch Podcasts. Hier können wir aus Copyright-Gründen natürlich keine Musik einstellen, aber vielleicht mal Sendungen über Komponisten oder auch Interviews. Ideen und Beiträge unserer Hörer sind hier natürlich herzlich willkommen!

Postkarte

Twentysound-Idee

Um die Idee hinter twentysound zu verstehen, ein kleiner Ausflug in die Musikgeschichte:
Vor dem Ersten Weltkrieg war in der Klassischen Musik die spätromantische Musik vorherrschend, aufgeteilt in konservative und fortschrittliche Schulen, oft auf Basis der musikalischen Traditionen der Heimatländer der Komponisten. In den Konzerten wurde regelmäßig zeitgenössische Musik gespielt, und die Kritiker diskutierten sie in den Feuilletons.

Die Komponisten entwickelten ihre Stile auch nach dem 1. Weltkrieg organisch weiter, oft an der Grenze der Tonalität, und auch unter Einbeziehung neuer Musikstile wie Jazz. Es gab eine große Bandbreite zwischen konservativen und moderneren Komponisten. Eine kleine Gruppe von österreichischen Komponisten um Arnold Schönberg, die "Zweite Wiener Schule", ging weiter und entwickelte neue, auf Zwölftonreihen beruhende Musiktechniken, basierend mehr auf Mathematik als auf musikalischem Gefühl. Im Konzertleben spielte sie aber nur eine kleine Rolle.

Dann kam der 2. Weltkrieg. Die Menschen hatten anderes zu tun, als sich um die Weiterentwicklung der Musikkultur zu kümmern. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Welt in 2 Hälften geteilt. Der Osten folgte dem schon vor dem Krieg in der UdSSR eingeschlagenem Weg des "Sozialistischen Realismus". Alle Künste, so auch die Musik, hätten dem Volk zu dienen und müssten verständlich und klar sein. Seltsamerweise half das den klassischen Komponisten, den Kontakt zum Publikum nicht zu verlieren. Es gab keinen Modernitäts-Wettlauf, und die Hörer achteten bei Konzerten auf jede potenziell regimekritische Nuance. Manche Komponisten wurden aber auch gebrochen oder sogar eingesperrt und ermordet.

In Westeuropa passierte zweierlei. Einerseits interessierte sich die Jugend mehr für die populäre Musikkultur der Amerikaner, Jazz, Blues, später Rock und Pop. Andererseits wandten sich auch die (Musik)-Intellektuellen vom Vergangenen ab und stürzten sich immer mehr auf die Techniken der Zweiten Wiener Schule. Dafür wurde der Begriff "Neue Musik" geprägt. Die Kulturpolitik und wohl auch amerikanische Geheimdienste (Frances Stonor Saunders: "Who paid the piper") unterstützten dies, um den Kontrast zum unterdrückten Osteuropa deutlich zu machen.

Die Vorkriegsgeneration der Komponisten geriet schnell in relative Vergessenheit. In den Konzerten wurden sie ignoriert, dafür wurden Werke der "Neuen Musik" gerne von klassischen Werken, von Mozart, Beethoven, Brahms, eingerahmt, um den Konzertbesuchern die Flucht schwerzumachen. Bei Schallplatten hatten es die Musikhörer einfacher, der "Neuen Musik" auszuweichen. Gleichzeitig bläuten die Musikkritiker der kulturinteressierten Bevölkerung ein, dass nur "Neue Musik" und ihre Vorläufer bei zeitgenössischer Musik zählen, alles andere Kitsch oder "Filmmusik" sei.

Durch die Wiederentdeckung der Alten Musik, oft mit Originalinstrumenten gespielt, dehnte sich das Portfolio der Konzerte und vor allem auch der Tonträger weit in die Vergangenheit aus. Ein klassischer Komponist war damals im Bewusstsein der Öffentlichkeit fast immer ein mindestens 100 Jahre lang toter Komponist. Das weite Feld der Musikgeschichte lenkte Musiker wie Hörer vom zeitgenössischen Musikschaffen aller Richtungen ab.

Die verlorene Generation der Komponisten litt auch darunter, dass es für sie keinen richtigen Namen gab. Viele Komponisten des 20. Jahrhunderts wurden der Spätromantik zugeschlagen. "Zeitgenössisch" ist ein unpassendes Wort, da die Zeit ja weiter geht. Der passenste Begriff ist noch "Moderne" Musik, aber das kann auch missverstanden werden.

Eine gewisse Wende gab es in den späten 1980ern, mit der Öffnung des Ostens. Dimitri Schostakowitsch, der bedeutenste Komponist der Sowjetunion, wurde auch im Westen immer häufiger gespielt, manche seiner Werke sogar als Filmmusik verwendet. Der Dirigent Herbert von Karajan, Hochkönig der Klassik,spielte die 10. Symphonie von Schostakowitsch ein. Auch spätromantische, oder besser frühmoderne, Komponisten wie Gustav Mahler wurden von der breiten Musiköffentlichkeit wiederentdeckt.

Aber der größte Schaden war nicht mehr rückgängig zu machen - den Klassik-Konzertgängern, schon aufgrund der dominanten Popmusik eine Minderheit, waren die rauen, rhytmischeren Klängen der Moderne fremd geworden. Die Jugend wird, selbst wenn sie von der älteren Generation an die Klassik herangeführt wird, diese nur als klanglich brilliante, aber intellektuell in den Tiefen der Zeit eingefrorene Bach-Beethoven-Brahms-Klassik kennenlernen.

Trotzdem, die Musikkultur entwickelt sich immer irgendwie weiter. Die Entwicklungslinien der klassischen Musik sind nicht tot, viele Komponisten pflegen sie weiter. Immer mehr Musikhörer interessieren sich für ungewohnte, nicht tausendmal totgehörte Wege.

twentysound möchte dazu beitragen, diese in der breiteren Musikhörerschaft ignorierten Komponisten wieder populär zumachen. Gehör verschaffen möchten wir auch denjenigen Tonsetzern der aktuellen Generation, die in der Nachfolge dieser Komponisten der Moderne arbeiten. Weniger wichtig ist für twentysound der Vergleich unterschiedlicher Interpretationen eines kleinen "Kanons" klassischer Werke durch verschiedene Dirigenten - wir haben normalerweise nur eine Version eines Werks im Portfolio.

Wir bitten die Musikwissenschaftler explizit um Entschuldigung für die verkürzte und etwas polemische Zusammenfassung von 100 Jahren Musikgeschichte!